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In den letzten Jahren ist Medizin basierend auf Genvarianten (sog. SNPs, Single Nucleotide Polymorphisms) zunehmend in den Vordergrund der Medienwahrnehmung getreten. Durch Vergleich verschiedener Bevölkerungsgruppen können diese SNPs zu verschiedenen Krankheitsbildern – wie Typ 2 Diabetes, Krebs oder auch Mikropenissen – verlinkt werden.
Schon jetzt bieten Direct-To-Consumer-Genotyping (DTC) Firmen wie 23andMe oder deCODEme ihren Kunden für weniger als 200€ eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten, diverse Krankheitsbilder zu entwickeln, basierend auf der Analyse von gut einer Million solcher Marker. Aber das ist erst der Anfang: Die Preise für komplette Genomsequenzierungen sinken in einem solchen Tempo, dass Moore's Law dagegen alt aussieht.
Schon 70 einzelne Marker reichen um eine Person zweifelsfrei zu identifizieren. Was bedeutet es für die Privatsphäre, wenn genetische Informationen nicht nur tröpfchenweise sondern genomweit im gleichen Überfluss bereitgestellt werden können, wie das heute mit anderen Persönlichen Daten in sozialen Netzwerken schon möglich ist? Welche Auswirkungen auf die Privatsphäre eines Patienten haben solche Informationen, insbesondere in den falschen Händen? Wie können solche Daten in den Händen der Patienten die Arbeit von Wissenschaftlern verändern? Wie können Strafverfolgungsbehörden solche Daten ausnutzen? Und wieso veröffentlichen manche Leute dann trotzdem ihre Daten?
by tante
Postprivacy wird von ihren Vertretern gerne dargestellt als Bewegung, die dem Individuum mehr Macht zurück gibt: Verfügbares Wissen über Bezahlungen erlauben es beispielsweise dem Individuum besser in Gehaltsgesprächen zu verhandeln.
Die Verdatung der Welt stellt dem Programmierer eine nahezu grenzenlose Menge aus Daten zur Verfügung, die es ihm oder ihr erlauben, bessere Entscheidungen zu treffen. Auch erlauben all diese Daten es dem Individuum, komplexe Analysen auf ihnen zu fahren um mehr über die Welt zu erfahren oder Prognosen abzuleiten - schöne neue Technikwelt.
Doch wie stellt sich diese Welt dar für die Menschen, die nicht in der Lage sind, sich die Daten nutzbar zu machen? Was ist mit den Nicht-Progammiern, den "Offlinern"? Die bisher selbsterwählten Ludditen können den Sprung hinein ins breitbandige Netz ohne großen Aufwand machen doch für Menschen mit weniger Ressourcen steht dieser Schritt nicht ohne weiteres zur Verfügung.
Wie wollen wir mit diesem Spannungsfeld umgehen? Können wir in Kauf nehmen, viele Bevölkerungsschichten einfach "abzuhängen"?
by Heide Hagen
Schlagworte: Individualisierung der Gesellschaft, Post-Privacy als logische Konsequenz, Teilhabe und Mitbestimmung des Einzelnen, Ich-Inflation, Pflichten ohne Rechte - Rechte ohne Pflichten, Veränderung der Gesellschaft durch Veränderung des Einzelnen, Denkblockaden, Unterschied zwischen Intim- und Privatsphäre, Angst, Streetview-Schizophrenie, Transparenz-Dilemma, virtuelle Übersetzungsfehler, Beliebigkeit, Verbindlichkeit, Liquid Democracy, verinnerlichte Hierarchien, Verantwortung, Vision.
by Ole Reißmann and Anna Sauerbrey
Sie kamen zur richtigen Zeit, sie hatten treffende Beobachtungen gemacht, sie hatten da so eine Idee - und dann saßen sie da, im Fernsehen und auf Podien, und wussten nicht weiter: Angefeindet vom Establishment, hofiert von den Medien und ausgeladen von der Hacker-Szene. Lässt sich da nicht mehr draus machen? Mit dem eiskalten Blick der medialen Verwertungslogik präsentieren wir die ultimative Markenstrategie für die Spackeria 2012. Und das in nur 15 Minuten.
Vortrag mit anschließender Diskussion (mit Betonung auf Diskussion) zum Thema
"Datenschutz im Spannungsfeld Opferschutz und Vertraulichkeit
medizinischer Informationen"
by Helga Hansen
Mehr Offenheit = weniger Diskriminierung lautet eine oft genannte Formel aus Post-Privacy-Kreisen. Doch so einfach ist das leider nicht. Denn bis heute wirkt das Schieben der Schuld auf Opfer von Verbrechen (victim blaming) als wirksamer Mechanismus - wie soll Offenheit helfen, wenn Frauenhass oder Islamophobie der Auslöser waren? Verstärkt werden diese Mechanismen meist durch Menschen (weder Frau noch frauen-hassend), die es gut meinen aber genau die Arbeit nicht leisten, die zu einer diskriminierungsfreien Gesellschaft nötig wäre. Anzufangen gälte es dort: mit Privatsphäre, geschützen Räumen und ohne Menschen Gefahren auszusetzen. Danach erst können wir uns Post-Privacy leisten.
(Dabei bin ich doch auch die 1%!)
Unsere Gesellschaft bewegt sich immer mehr Richtung Informationsfreiheit, in dem von mir früher definierten Sinne (siehe meinen letzten Blogpost auf der Spackeria), zu. Jedoch birgt dies, neben den von uns wahrgenommenen, ja beschworenen, positiven Potential, auch Gefahren sozialer Natur in sich. Solange diese drohen, können sich nur Privilegierte ein Leben nah an der Informationsfreiheit leisten.
Zuerst wird ein Anriss der Problematik für nicht-priveligierte erfolgen. Anschließend möchte ich kurz auf die Mechanismen eingehen, die diese Privilegien prägen (Stichwörter Fremdmarkierung, Zentralismus und Gender), wohlgemerkt ohne dabei eine Vorbildung des Lesers vorauszusetzen.
Die anschließende Hälfte der Vortragszeit wird dann für mögliche Aktionsvektoren zur Verbesserung der gesellschaftlichen Lage und das aufwerfen der Frage, wie mensch gegen Unterdrückung agieren kann ohne Gewalt anzuwenden oder sich zurück zu ziehen.
by Acid, Sprawl Scholar, @plomlompom, fasel and tante
Einige der Mitglieder der Spackeria stellen ihre Sichtweise auf die Diskussionen im Vorfeld der 0. Spackeriade dar. Die Zuschauen können ihren Eindruck darstellen. Alle sind danach hoffentlich schlauer.